Kanzeltürmer

Der Klub und die Frauen

„Nichts gegen Frauen, denn Spaß muss sein, aber gegen Weiberwirtschaft hab ich etwas“ so spottete neulich ein Kabarettist über die Emanzipation und alles drum und dran.

Das Thema Frauen als Mitglieder eines Kletterklubs wird in sehr vielen Kletterklubs höchst kontrovers diskutiert. Immerhin wird schon diskutiert, was vor 50, 60 Jahren noch undenkbar war. Damals war klar, Frauen haben in Kletterklubs nichts zu suchen.

Die mit ihren Partnern mitkletternden Frauen waren an einer Hand abzuzählen. Bekannt waren Anni Scheffler, Inge Rost, Sybille Stäber, Waltraud Lenk, Dora Dürichen und andere. Schwer kletternde Frauen im Vorstieg oder gar Erstbegeherinnen waren damals nahezu unbekannt. Uns fällt im Nachhinein kein Name ein. Da alle mehr oder weniger fest an einen Partner gebunden waren, konnten diese, sich mit der Klettererszene gut auskennenden Frauen, über die emotionale Schiene der Partnerschaft auch einen gewissen Einfluss auf die Klubgeschehnisse ausüben.

Doch Mitte der 50ziger Jahre änderte sich das Bild erheblich. Viel häufiger als bisher waren Frauen in Seilschaften eingebunden, stiegen selbst schwierigste Wege mit oder bildeten sogar eigene Frauenseilschaften. Die Emanzipation hielt also auch im Klettersport Einzug und hat sich bis heute immer mehr verstärkt. Die Leistungen der besten Frauen liegen heute sicher über dem Durchschnitt der guten Kletterer. Dass solche Frauen in einem Kletterklub ein gleichberechtigtes Mitspracherecht beanspruchen ist die logische Folge. Da es ihnen aus Traditionsgründen verwehrt wird, findet man diese Bergsteigerinnen auch nicht in Kletterklubs.

Wieso kommt es zu „Traditionsgründen“ ? Der gängige Weg in einen Kletterklub erfolgt meist in der Jugend, in der man noch partnerschaftlich ungebunden ist. Ist man in einem Klub integriert, dann bewirkt eine hinzukommende Partnerschaft mit bergsportlichen Ambitionen ein automatisches Dabeisein des Partners, ohne dass dieser Klubmitglied werden muss. Dabei sind uns nur Fälle bekannt, wo der hinzukommende Partner weiblich ist. Logisch werden Bergsteigerinnen sagen, da ja Frauen keine Mitglieder werden können. So logisch ist das wiederum nicht, da noch nie partnerlose Mädchen oder Frauen sich aus rein bergsteigerischen Gründen und mit entsprechenden klettertechnischen Aktivitäten unserem Klub angeschlossen haben. Im Unterbewusstsein schwingt vielleicht auch mit, dass es für einen Klub schwierig werden könnte, wenn Partnerschaftsprobleme auf Klubebene überschwappen.

Bei uns ist es z.Zt. so, dass Frauen keine Mitglieder sind, jedoch an allen Aktivitäten des Klubs (auch an der Jahreshauptversammlung) teilnehmen und gern ihre Meinung zum Klubleben, zum Jahresprogramm oder zu sonstigen Problemen äußern können. Somit beeinflussen sie, wenn auch nicht offensichtlich, an der Seite ihrer Partner wichtige Beiträge zum Klubleben.

Sollte einmal der Fall eintreten, dass Frauen aus klettertechnischen Aktivitäten heraus Anschluss an unseren Kletterklub suchen, dann wird sicherlich die Diskussion über „Traditionsgründe“ wieder aufleben.

Vielleicht haben wir schon zum 100. Stiftungsfest im Jahre 2011 einen weiblichen Klubvorstand. (was wegen der Weiberwirtschaft der liebe Gott verhüten möge)

© Mario Näbrich 2008